Artikel aus der Rubrik „Aktuell“ | | 10.03.2021 | ±4 Minuten Lesezeit

Am 1. Februar hat die Armee in Myanmar gewaltsam die Macht übernommen. Seitdem kommt es zu massiven Protesten im Land. Darum hat das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für das Land ausgesprochen. Die Armee selbst hat für das kommende Jahr den Ausnahmezustand ausgerufen. Informieren Sie sich also vor Ihrer Reise über die neuesten Entwicklungen und vergessen Sie nicht, bereits vor der Abreise Ihr Visum Myanmar zu beantragen!

Kurz zusammengefasste Zeitgeschichte Myanmars

Burma (Myanmar) wurde 1948 unabhängig. Davor war das Land eine Kolonie in Britisch-Indien. Die Briten nannten das Land nach den „Bamar" - der größten ethnischen Gruppe im Land. Von 1962 bis 2011 herrschte eine Militärregierung, auch Junta genannt, mit uneingeschränkter Macht. 1989 änderten die regierenden Militärs den Namen des Lands von Burma in Myanmar, da der Name Burma zu sehr an die Zeit der Kolonialisation erinnerte. Der Name „Birma” oder „Burma" wird immer noch in der englischsprachigen Welt verwendet, während in anderen Sprachen hauptsächlich der Name Myanmar verwendet wird.

Nach Jahren von Armut und wirtschaftlicher Stagnation brach 2007 nach der Ankündigung der Abschaffung von Subventionen auf Brandstoff die sogenannte Safran-Revolution unter der Leitung von buddhistischen Mönchen aus, die zum Sturz der damaligen Militärregierung führte. 2011 übergab die Junta die Macht an eine Bürgerregierung und 2015 fanden erstmals freie Wahlen statt.

Staatsstreich

Die Jahre 2011 bis 2015 waren von politischen, wirtschaftlichen und Verwaltungsreformen geprägt. So wurde in dieser Zeit unter anderem die „Nationale Menschenrechtskommission" gegründet, neue Arbeitsgesetze eingeführt und die Zensur gelockert. Außerdem wurde der Hausarrest von Aung San Suu Kyi - Myanmars Führerin der Bewegung für Menschenrechte und Demokratie und Trägerin des Friedensnobelpreises 1991 - aufgehoben, so dass sie sich frei bewegen konnte. Die Parlamentswahlen 2015 wurden mit überzeugender Mehrheit von ihrer Partei „National League for Democracy (NLD)" gewonnen. Suu Kyi wurde die politische Führerin des Landes, aber die Armee reservierte so viele Sitze im Parlament für sich selbst, dass Änderungen der Verfassung nur mit Zustimmung der Streitkräfte möglich waren. Im Jahr 2020 gewann die Partei die Parlamentswahlen erneut mit beeindruckenden 60 % der Stimmen.

Die Generäle behaupteten, dass die Abstimmung zur Parlamentswahl 2020 nicht ehrlich verlaufen war und forderten eine Neuwahl. Die Wahlkommission und die Wahlbeobachter erklärten jedoch, dass es keine Beweise für die Untermauerung dieser Behauptungen gäbe.

Das Heer putschte und inhaftierte eine große Anzahl von Politkern der NLD, unter ihnen Suu Kyi. Die Beschuldigungen gegen Suu Kyi lauten, illegale Walkie-Talkies zu besitzen, die Covid-19-Regeln verletzt und Informationen veröffentlicht zu haben, die möglicherweise Panik in der Bevölkerung auslösen könnten.

Machtübernahme durch die Armeet

Das Land mit seinen rund 54 Millionen Einwohnern befindet sich nun in den Händen des Militärs. Der Oberbefehlshaber der Streitkräfte, General Min Aung Hlaing, brachte Myanmar nach 10 Jahren Demokratie zurück unter die Militärherrschaft. Er hat die Macht des Militärs auch in den 10 Jahren in denen sich das Land in Richtung Demokratie bewegt hat, aufrechterhalten. Nach dem Staatsstreich wurde der Ausnahmezustand ausgerufen, der ein Jahr lang andauern wird. Min Aungn Hlaing versuchte, die Machtergreifung zu rechtfertigen, indem er sagte, dass die Armee hinter dem Volk stehe und freie und faire Wahlen in der Zukunft versprach.

Unmittelbar nach dem Putsch begannen jedoch Demonstrationen und Streiks gegen die Militärherrschaft. Das Land erlebt nun die größten Proteste seit der Safran-Revolution von 2007. Unter den Demonstranten sind Lehrer, Anwälte, Studenten, Bankangestellte und Regierungsbeamte. Die Sicherheitskräfte gehen immer härtet gegen die Demonstranten vor. Mehrere Demonstranten wurden bereits getötet. Die Bevölkerung Myanmar kann kaum auf Hilfe aus dem Ausland rechnen. Die Nachbarländer Kambodscha, Thailand und die Philippinen, betrachten die Konflikte als eine interne Angelegenheit, die in Myanmar selbst gelöst werden muss.

Sicherheitsrisiken für Touristen

Myanmar wurde in den letzten Jahren mehr und mehr zu einem normalen Reiseland und damit auch ein beliebtes Ziel für Rucksacktouristen. Für einige Regionen Myanmars gelten jedoch Reisewarnungen des deutschen Auswärtigen Amts, das darauf hinweist, dass Sie bestimmte Gebiete in den Staaten Chin, Rakhine, Kayin, Mon, Kayan und Shan während Ihrer Reise durch Myanmar meiden sollten. In diesen Regionen sind entweder gewalttätige und bewaffnete ethnische Gruppen aktiv, oder es gibt Konflikte zwischen ethnischen Gruppen oder ethnischen Gruppen und der Armee.

Aufgrund der Covid-19-Pandemie wird derzeit generell vor Reisen nach Myanmar gewarnt. Der Ausnahmezustand im Land ist ebenfalls ein Grund für die Reisewarnungen, wobei die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass die Reisewarnung wegen des Ausnahmezustands länger aufrecht bleibt als das Einreiseverbot aufgrund des COVID 19-Ausbruchs. Die Armee hat im Rahmen des Ausnahmezustands die Grenzen des Landes geschlossen, die Ein- und Ausreise weiter beschränkt, Straßen gesperrt und den Internetzugang eingeschränkt.

Visum Myanmar

Sollten Sie vorhaben, nach Myanmar zu reisen, wenn die Reisewarnungen wieder aufgehoben sind, müssen Sie bereits vor der Abreise ein Visum Myanmar beantragen. Den Antrag stellen Sie schnell und einfach innerhalb von wenigen Minuten online. Die Kosten betragen 74,95 € pro Person. Wenn Sie dringend ein Visum benötigen, können Sie das auf dem Antragsformular angeben. Das Visum wird dann gegen einen Aufpreis von 15,00 € in 95% der Fälle innerhalb von 24 Stunden erteilt.