Artikel aus der Rubrik "Aktuell" | | 24.04.2020 | ±4 Minuten Lesezeit

Nachdem im April fast zwei Wochen lang keine neuen Fälle von Coronavirus-Infektionen festgestellt wurden, war die kambodschanische Regierung überzeugt, den Ausbruch unter Kontrolle zu haben. Es gab und gibt Pläne, den Lockdown aufzuheben und die Wirtschaft langsam wieder auf Gang zu bringen, aber die WHO warnte Kambodscha davor, das zu schnell zu tun.

Coronavirus in Kambodscha: Die offiziellen Zahlen im Vergleich

Im Vergleich mit anderen Ländern der Welt sind die Zahlen für das Coronavirus in Kambodscha beinahe unglaublich positiv. Nach den neuesten Zahlen (8. Juli 2020) gibt es 141 bestätigte Fälle von Coronavirus. Das ist an sich schon beeindruckend, aber was Kambodscha extrem von den meisten anderen Ländern unterscheidet, ist die Tatsache, dass im Land keine Todesfälle aufgrund von Covid-19 gemeldet wurden. Dies ist vor allem beeindruckend, weil ständig viele chinesische Touristen nach Kambodscha reisen. Zum Vergleich: Im benachbarten Thailand gibt es mehr als 2000 Fälle von gemeldeten Covid-19-Infektionen und 26 Todesfälle als Folge von Corona.

Es gibt jedoch auch Stimmen, die suggerieren, dass die Zahlen so niedrig sind, weil die Regierung zu wenig testet. Außerdem haben ausländische Hilfsorganisationen nur begrenzte Möglichkeiten, in das Land einzureisen, um selbst die Lage zu peilen. Die kambodschanische Regierung geht hart gegen solche Aussagen vor: Mehrere Personen wurden bereits wegen der Verbreitung von Fake-News verhaftet, darunter ein 14-jähriges Mädchen, das Sorgen über die Ausbreitung des Virus an ihrer Schule äußerte. Ein vor kurzem verabschiedetes Gesetz erlaubt es der Regierung, alle Telekommunikationsmittel und (Soziale) Medien zu kontrollieren.

Verbreitung des Virus ist eingedämmt

Die kambodschanischen Behörden melden, den Ausbruch völlig unter Kontrolle zu haben. In Kambodscha wurden in den letzten Aprilwochen keine neuen und auch danach nur sehr wenige Covid-19-Infektionen festgestellt. Die Regierung geht davon aus, dass das bedeutet, dass der Höhepunkt der Corona-Epidemie in Kambodscha bereits überschritten ist. Im Gegensatz zu anderen Ländern hat Kambodscha keinen allgemeinen Lockdown eingeführt. Mehrere Sektoren haben ganz normal durchgearbeitet. So waren und sind die Banken und Regierungsbehörden für die Öffentlichkeit zugänglich. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Regierung überhaupt keine Maßnahmen ergriffen hat. So wurde beispielsweise das jährliche Khmer-Neujahrsfest abgesagt und der Bevölkerung wurde und wird dringend empfohlen, so wenig wie möglich zu reisen. Kambodscha hat außerdem den Ausnahmezustand ausgerufen, was der Regierung viel mehr Möglichkeiten gibt, schnell zu handeln. Manche Menschen sehen den Ausnahmezustand jedoch mehr als Vorwand für die Regierung, Maßnahmen umzusetzen, die nicht im Rahmen demokratischer Gesetze beschlossen wurden und möglicherweise auch nie beschlossen würden.

Die WHO warnt, dass der große Ausbruch noch kommen wird

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt an, dass der Umstand dass es in Kambodscha Ende April keine neuen Fälle von Covid-19-Infektionen gab und jetzt auch sehr wenige Infektionen gibt, für eine sehr gute Nachricht, warnt das Land jedoch davor, dass es sich höchstwahrscheinlich noch im Anfangsstadium der Pandemie befindet. In einer Pressekonferenz sagte ein WHO-Sprecher, dass Kambodscha auf inländische Infektionen und Clusters vorbereitet sein müsse und dass diese zu einem explosionsartigen Anstieg der Zahl der Coronavirus-Infektionen führen können. Nach Angaben des Sprechers wird der Ausbruch in keinem Land vorbei sein, bevor er in allen Ländern vorbei ist. Kambodscha muss laut der WHO daher vorsichtig bleiben.

Kein Lockdown, jedoch ein Einreiseverbot

Seit Beginn des Ausbruchs sucht die kambodschanische Regierung die Infektionsherde unter ausländische Reisenden. Als Reaktion darauf hat Kambodscha seinen Luftraum für internationale Flüge gesperrt. Die Regierung war in dieser Hinsicht sehr streng: Sogar kambodschanische Bürger, die im Ausland gearbeitet haben, konnten manchmal nicht in ihre Heimat zurückkehren. Das Reiseverbot richtete sich jedoch hauptsächlich auf ausländische Reisende. Während westliche Reisende früher mit einem digitalen Visum nach Kambodscha einreisen konnten, ist das im Moment nicht mehr möglich. Bereits erteilte und gültige Visa für Kambodscha können nicht mehr für die Einreise in das Land verwendet werden. Obwohl unklar ist, wie lange diese Maßnahme dauern wird, ist es klar, dass die Regierung Kambodschas bestrebt ist, das Land wieder zu öffnen und die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen.

Am 16. Juni kündigten die kambodschanischen Behörden an, dass die Einreise nach Kambodscha wieder möglich ist, aber dass die folgenden Voraussetzungen gelten: Reisende müssen bei ihrer Ankunft eine Kaution in Höhe von 3.000 US-Dollar hinterlegen, die zur Bezahlung aller Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus verwendet wird. Reisende müssen bereits bei der Ankunft über ein Gesundheitszeugnis (negativer Covid-19-Befund) verfügen und nachweisen können, dass die Reise- oder Krankenversicherung einen Betrag von bis zu 50.000 US-Dollar abdeckt.

Bei der Ankunft werden alle Reisenden auf Covid-19 getestet. Wenn die Tests aller Reisenden negativ ausfallen, müssen die Reisenden 14 Tage in Selbstquarantäne verbringen. Wenn einer der Reisenden an Bord des Flugzeugs positiv getestet wird, müssen alle Mitreisenden 14 Tage in staatlicher Quarantäne verbringen. Die Kosten hierfür belaufen sich auf etwa 1.380 US-Dollar. Reisende, die selbst positiv getestet werden, werden in ein öffentliches Krankenhaus gebracht. Die Höhe der Kosten dafür hängt von der Schwere der Erkrankung und dem Krankenhaus ab.